Morbus Menière

Morbus Menière
9 Min.
Erscheinungsdatum: 7. Oktober 2024
Datum der letzten Überarbeitung: 6. August 2026
Morbus Menière beschreibt eine Erkrankung, bei der Schwindel, Hörverlust und Tinnitus auftreten können. Erfahren Sie hier, was diese Erkrankung ausmacht und wie sie behandelt werden kann.

Das Wichtigste in Kürze
- Morbus Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, die typischerweise anfallsartig auftritt und mit Drehschwindel, Hörverlust und Tinnitus einhergeht. Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt.
- Zu den häufigsten Symptomen zählen starker Schwindel, einseitige Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche (Tinnitus) sowie Ohrdruck, Übelkeit und Erbrechen. Die Beschwerden können zwischen den Anfällen zeitweise nachlassen.
- Die Diagnose erfolgt durch eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Hörtests, Gleichgewichtsprüfung und Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen können.
- Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, Schwindelanfälle zu lindern, Beschwerden zu reduzieren und bei anhaltendem Hörverlust mit geeigneten Maßnahmen – etwa Hörgeräten – die Lebensqualität zu verbessern.
- Der Artikel erklärt Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie von Morbus Menière und gibt praktische Hinweise, wie Betroffene im Alltag mit der Erkrankung umgehen können.

Krankheitsbild & Symptome von Morbus Menière
Morbus Menière beschreibt eine Erkrankung, bei der angenommen wird, dass der Flüssigkeitshaushalt des Innenohrs gestört ist. Die genauen Ursachen von Morbus Menière sind allerdings noch nicht vollständig geklärt. Wichtig zu wissen ist, dass Morbus Menière in der Regel in Schüben auftritt. Das Innenohr besteht aus dem Gleichgewichtsorgan und dem Hörorgan (der Hörschnecke). Diese beiden Organe verfügen über Bogengänge, die mit Flüssigkeiten gefüllt sind. Bei einem Menière-Anfall ist der Bogengang der Hörschnecke allerdings überfüllt und verursacht starke Probleme für das Innenohr.
Morbus Menière tritt am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf und befällt in der Regel nur ein Ohr. Bei einer lange bestehenden Erkrankung steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, am anderen Ohr ebenfalls zu erkranken. Durch den oft lang anhaltenden Drehschwindel kommt es bei vielen Patienten zu Übelkeit, die bis zum Erbrechen führen kann. Das Bewusstsein ist während der Anfälle jedoch ungetrübt. Dies setzt bei Menière-Patienten gelegentlich eine Spirale der Angst frei: Erkrankte fürchten sich vor einem erneuten Anfall und fühlen sich dadurch gestresst. Die psychische Komponente der Menière-Krankheit ist also nicht zu unterschätzen. Zwischen einzelnen Anfällen können Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre liegen. Positiv ist, dass die Anzahl der Schwindelanfälle oftmals über den Verlauf der Krankheit abnimmt.
Ursachen von Morbus Menière
Die genauen Ursachen sind nicht bekannt, jedoch gibt es verschiedene Ansätze. So liegt eine mögliche Ursache zum Beispiel in dem Riss der Reissner-Membran, einer dünnen Zellmembran innerhalb der Hörschnecke im Innenohr. Reißt diese Membran, tritt eine Flüssigkeit (kaliumarme Perilymphe) aus und erhöht den Druck in der Hörschnecke des betroffenen Ohrs. Andere Ursachen könnten virale Infektionen sein, die eine Entzündung des Innenohres hervorrufen.
Holen Sie sich fachärztlichen Rat, denn Schwindel, Tinnitus und eine Hörminderung können auch anders entstehen und sind nicht immer auf einen Menière-Anfall zurückzuführen.
Diagnose von Morbus Menière
Wenn Ihnen die Symptome bekannt vorkommen, sollten Sie dringend fachärztlichen Rat einholen. Um die Menière-Krankheit diagnostizieren und mögliche Ursachen feststellen zu können, werden einige Tests durchgeführt. Fachärztliches Personal untersucht zum Beispiel den Ohrenspiegel und führt einen beidseitigen Hörtest durch um festzustellen, ob das Hörvermögen der betroffenen Seite von dem des gesunden Ohres abweicht. Da auch Schwindel zu den typischen Symptomen zählt, untersucht und testet der Hals-Nasen-Ohrenarzt bzw. die -ärztin auch das Gleichgewichtsorgan und die Augen der Patienten. Um herauszufinden ob die Menière-Attacke ihre Ursache vielleicht in anderen Krankheiten hat, wird zudem die Krankheitsgeschichte der Patienten durchgesprochen.

Schwerhörigkeit bei Morbus Menière
Schwerhörigkeit gehört zu den Hauptsymptomen bei Morbus Menière. In den meisten Fällen handelt es sich um eine einseitige Hörminderung. Anfangs tritt die Schwerhörigkeit häufig nur während des Anfalls auf und verschwindet danach wieder. Oftmals kann es nach längerer Krankheit allerdings zu einer dauerhaften starken Schallempfindungsstörung kommen. Die für Morbus Menière typische Schwerhörigkeit betrifft vor allem die tiefen Töne, sodass gutes Hören zunehmend schwerer wird. Wenn Sie selber den Eindruck haben, dass Sie unter einem Hörverlust leiden, holen Sie sich bitte ärztlichen Rat.

Behandlung von Morbus Menière
Morbus Menière gilt nach heutigem Stand als unheilbar. Es ist bis heute nicht geklärt, was die Krankheit genau verursacht. Die Symptome können jedoch medikamentös und/oder operativ bekämpft werden. Man unterscheidet hier zwischen Maßnahmen, die weitere Anfälle vorbeugen sollen, und der akuten Behandlung während des Anfalls. Zur Behandlung des Schwindels werden bestimmte Medikamente, sogenannte Antivertiginosa, verabreicht (anti [gr.] = gegen, vertigo [lat.] = Schwindel). Da es durch den Schwindel sehr oft zu starker Übelkeit kommt, werden Meniére-Erkrankten zusätzlich Mittel gegen Übelkeit gegeben.
Falls jemand unter einer sehr ausgeprägten Form von Morbus Menière leidet und sehr viele Schwindelanfälle hat, werden andere Methoden angewandt.
Zum einen kann durch eine Medikamentengabe (Gentamycin) das Gleichgewichtsorgan ausgeschaltet werden, wodurch die Schwindelanfälle aufhören können. Die Hörfähigkeit der Patienten kann sich dadurch allerdings verschlechtern.
Operativ gibt es ebenfalls Behandlungsmöglichkeiten. In manchen Fällen wird in einem operativen Eingriff beispielsweise der Gleichgewichtsnerv durchtrennt (Neurektomie), sodass der Schwindel nicht mehr auftreten kann. Eine andere Behandlungsmethode wäre die Sakkotomie, bei der es durch eine winzige Öffnung in einem Teil des Innenohrs zu einer Druckentlastung kommt.
Hörgeräte bei Morbus Menière
Morbus Menière geht häufig mit einem schwankenden, im Verlauf aber oft zunehmenden Hörverlust einher. Auch wenn sich die Grunderkrankung nicht ursächlich heilen lässt, können Hörgeräte eine wichtige Unterstützung im Alltag sein, wenn das Hörvermögen dauerhaft eingeschränkt ist. Moderne Hörgeräte lassen sich flexibel an veränderte Hörsituationen anpassen und können das Sprachverstehen verbessern – insbesondere zwischen den akuten Schwindelanfällen. Ob eine Hörgeräteversorgung sinnvoll ist, wird auf Basis audiologischer Untersuchungen entschieden und sollte immer in enger Abstimmung zwischen ärztlichem Fachpersonal sowie Hörgeräteakustikerinnen und Hörgeräteakustikern erfolgen.
Wie können Betroffene mit der Krankheit umgehen?
Da die Ursachen von Menière nicht vollständig geklärt sind, gibt es leider auch keine einheitlichen Maßnahmen zur Vorbeugung oder Therapie einer Erkrankung. Vielmehr muss gelernt werden, mit der Krankheit umzugehen. Viele Menière-Betroffene sind der Meinung, dass ihnen
- Gleichgewichtstraining
- Bewegung
- und Entspannung
im Umgang helfen, auch wenn es keine wissenschaftlichen Beweise hierfür gibt.
Auf jeden Fall kann ein gesunder Lebensstil ab Feststellung der Erkrankung nicht schaden. Empfohlen werden zum Beispiel:
- der Verzicht auf Nikotin
- eine natriumarme und kaliumreiche Ernährung
- die Vermeidung von Stress
Falls Sie bei sich selber Symptome wie Drehschwindel und Schwerhörigkeit festgestellt haben, raten wir Ihnen, sich fachärztlichen Rat einzuholen.
Hinweis zur Ohrengesundheit
Die Inhalte auf dieser Website wurden sorgfältig erstellt und dienen der allgemeinen Information über Themen rund um Hören und Ohrgesundheit. Sie können jedoch keine persönliche medizinische Beratung oder Untersuchung ersetzen. Wenn Sie Beschwerden am Ohr, Hörprobleme oder andere gesundheitliche Fragen haben, wenden Sie sich bitte an eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin oder einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt beziehungsweise an qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Die Hörgeräteakustikerinnen und Hörgeräteakustiker von GEERS beraten Sie zusätzlich gerne rund um Hörtests, Hörlösungen und moderne Hörgeräte.

Autor
GEERS
Bewertet von:
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