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Bei starken Einschränkungen der Hörfähigkeit reichen selbst sehr starke Hörsysteme nicht aus, um Sprache ausreichend zu verstehen oder zu erlernen. In diesen Fällen kommen Cochlea-Implantate (CI) zum Einsatz.

Was sind Implantate?

Vollimplantat – das unsichtbare Hörgerät

Konventionelle Hörgeräte werden zunehmend dezenter und unauffälliger, doch bei genauem Hinsehen sind sie nach wie vor sichtbar, da sie entweder im oder hinter dem Ohr getragen werden. Es gibt allerdings auch vollimplantierbare Geräte, bei denen das Mikrofon, der Akku und die gesamte Elektronik unter der Kopfhaut versteckt werden. Ein Beispiel hierfür ist ein System namens „Carina®“, welches Mitte 2017 von der Firma Cochlear erstmals vorgestellt wurde. Hierbei handelt es sich um ein vollständig implantierbares Hörgerät, welches subkatun – also unter der Haut – arbeitet und es Gehörlosen so ermöglicht wieder besser hören zu können. Umgebungsgeräusche werden über das Mikrofon aufgenommen und an den Soundprozessor gesendet. Dort angekommen wird das akustische Signal in elektrische Impulse übersetzt, über einen Signalgeber in mechanische Vibrationen umgewandelt und auf die kleinen Gehörknöchelchen Amboss, Hammer und Steigbügel übertragen.

Das Implantat kann dauerhaft im Körper bleiben und bietet Hörgeschädigten den Vorteil, dass Sie rund um die Uhr hören können. Auch Duschen oder Schwimmen ist mit diesem Hörsystem unproblematisch, da die Elektronik ja unter der Kopfhaut nicht ohne weiteres beschädigt wird.

Ein solches implentierbares Hörgerät kommt allerdings nicht für jeden Hörgeschädigten in Frage. In jedem Fall bedarf es einer ausführlichen Untersuchung durch einen HNO-Arzt, schon allein weil sich der Patient einem operativen Eingriff unterziehen muss. Es gibt bestimmte anatomische und motorische Voraussetzungen, die eine Versorgung ermöglichen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten ob das Cochlear Carina System für Sie in Frage kommt wenn Sie unter einer mittleren bis schweren sensorineuralen oder kombinierten Schwerhörigkeit leiden und In-dem-Ohr- oder Hinter-dem-Ohr-Geräte nicht mehr ausreichen um den Hörverlust auszugleichen.

Unterschied zum Teilimplantat

Als weiteres Hörsystem ist das Teilimplantat zu nennen. Wie der Name vermuten lässt, liegen bei teilimplantierten Hörgeräten nicht alle Teile unter der Haut oder im Knochen. Lediglich der Signalgeber wird direkt im Ohr implantiert. Das Mikrofon sowie der Verstärker und Akku liegen außerhalb des Körpers. Häufig eingesetzt wird beispielsweise das „Soundbridge“-System, das im Mittelohr – ähnlich wie das „Carina“-System – mit einem Schwingkörper arbeitet, der die Bewegungen des Schalls, welche vom Mikrofon aufgenommen und vom Soundprozessor umgewandelt werden, auf die Gehörknöchelkette überträgt.

Eines der bekanntesten Teilimplantate ist das Cochlea-Implantat (kurz CI) , das bei Patienten mit einer hochgradigen Innenohrschwerhörigkeit oder Taubheit eingesetzt wird. Der Unterschied zu anderen Implantaten besteht darin, dass es das natürliche Hörsystem, also Gehörknöchelchen und Cochlea (Hörschnecke) komplett umgeht. Stattdessen überträgt eine Elektrode die Hörimpulse direkt auf den Hörnerv. Es ist also ein Gerät, welches die Funktion des Innenohrs (der Cochlea) übernimmt. Grundsätzlich kann es sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen eingesetzt werden. Vielen Kindern mit einer hochgradigen Schwerhörigkeit ermöglicht ein Cochlea-Implantat die Erlernung der Sprache.

Wo genau liegt der Unterschied zu einem Hörgerät?

Auch ein Cochlea-Implantat ist nicht für Jedermann geeignet. In den meisten Fällen reicht ein konventionelles Hörgerät aus um die Hörminderung auszugleichen. Bei Patienten,

  • die unter einem sehr starken Hörverlust leiden oder bereits an Taubheit grenzen,
  • die durch konventionelle Hörsysteme keine Besserung erreichen
  • die ein sehr schlechtes Sprachverstehen (maximal 50%) aufweisen und
  • bei denen der gesamte Hörnerv samt Hörbahn und Hörzentrum im Gehirn dennoch funktionsfähig ist,
könnte ein Cochlea-Implantat eventuell in Frage kommen. Um zu klären ob auch Sie von einem CI profitieren würden, ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu konsultieren.

Für Menschen, deren Schwerhörigkeit auf eine Schädigung des Mittelohrs zurückzuführen ist und deren Luftschallleitung nicht (mehr) funktioniert, kommt eventuell ein knochenverankertes Hörgerät (auch bekannt als BAHA) in Frage. Hierbei werden der Gehörgang und das Mittelohr des Patienten komplett umgangen. Das Innenohr wird direkt über die Knochenleitung stimuliert. Hierzu wird eine kleine Titan-Schraube in den Knochen hinter dem Ohr implantiert und so dauerhaft mit dem Knochen verbunden. Sobald das Implantat verwachsen ist, kann ein besonderes Hörgerät an der Schraube befestigt werden. Die Schraube leitet die Signale dann direkt weiter, sodass der Patient die entstandenen Geräusche hören kann.

Implantate werden in der Regel dann eingesetzt, wenn an der Schwerhörigkeit sowohl Innen- als auch Mittelohr beteiligt sind und HdO- oder IdO-Geräte nicht mehr ausreichen. Ebenso wie bei herkömmlichen Hörgeräten müssen sich die Patienten auch an ein Implantat gewöhnen und das Hören neu lernen, da die übertragenen Reize nicht den natürlichen entsprechen.

Woraus besteht ein CI ?

Im Gegensatz zu einem Hörgerät, welches lediglich den Schall verstärkt, umgeht das Cochlea- Implantat den defekten Teil im Innenohr (= medizinisch „Cochlea“, daher der Name), wodurch das Hören wieder ermöglicht wird. Das Hören passiert zudem in Echtzeit, d. h. ohne Zeitverzögerung. Es ermöglicht die (beinahe) vollständige Wiederherstellung des Hörvermögens bei Patienten mit Hörverlust, fortgeschrittener oder angeborener Taubheit.

Ein CI besteht aus 3 Teilen:
  • dem Sprachprozessor
  • der Sendespule
  • dem Implantat.
Die Bauteile bestehen aus hochwertigen Materialien wie Titan, Silikon und Platin.
Foto eines Cochlea Implantats weiß

Ist ein CI für mich geeignet?

Cochlea-Implantate können eine großartige Lösung für Menschen mit Hörverlust sein, welchen durch ein Hörgerät (das nur schallverstärkend wirkt) nicht mehr geholfen werden kann. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, sollten Sie mit einem Spezialisiten besprechen, ob Sie als Kandidat für ein CI in Betracht kommen. Doch auch im Falle von fortgeschrittener und angeborener Taubheit können Cochlea-Implantate ein Hörvermögen wieder herstellen. Außerdem ist ein CI für jede Altersstufe geeignet (bei Kindern wird eine Implantation ca. ab dem 1. Lebensjahr durchgeführt).
Grafik eines eingesetzten Cochlea Implantats
Kind mit Cochlea-Implantat (CI)

Was passiert bei der Implantation eines CI?

Der implantierbare Teil des CI wird durch einen medizinischen Eingriff hinter dem Ohr im Rahmen einer Operation eingesetzt. Der externe Teil, der sogenannte Sprachprozessor, wird hinter dem Ohr auf der Haut getragen und die Sendespule haftet magnetisch an dem unter der Haut sitzenden Implantat an. Gewöhnlich brauchen die Patienten nur eine kurze Erholungsphase und können 2 bis 3 Tage nach der Operation die Klinik verlassen. Für die Implantation ist lediglich ein kleiner Hautschnitt in der Länge von 4 bis 5 cm hinter dem Ohr notwendig.

Die OP wird von erfahrenen Ohr-Chirurgen durchgeführt. Jeder dieser Ärzte erhält auch eine herstellerspezifische Schulung zum verwendeten Implantat und bespricht die OP im Vorfeld persönlich und im Detail mit dem Patienten.

Was kann ich mir von der neuen Hörqualität mit einem CI erwarten und wie schnell kann ich wieder hören?

Durch ein CI ergibt sich im Normalfall eine deutliche Verbesserung des Hörvermögens. Das Hören mit dem CI ist allerdings anders als das natürliche Hören. Das bedeutet für den Patienten, dass er sich eine Anlaufzeit geben muss, um das Hören „neu zu erlernen“, meist auch unter Betreuung durch einen Sprachtherapeuten. 
Das Gehirn kann sich aber sehr schnell auf die neuen Informationen einstellen. Bei vielen Patienten ist bereits wenige Tage nach der 1. Prozessoranpassung ein Sprachverstehen möglich.

Welche Kosten kommen auf mich zu, wenn ich mich für ein CI entscheide?

Soweit bestimmte Kriterien betreffend den Hörverlust erfüllt sind, übernimmt der Krankenhausbetreiber die Kosten einer CI Operation. Die Wartungs- und Reparaturkosten werden von der Krankenkasse übernommen. Zusatzkosten für den Patienten können nur in vergleichsweise minimalem Rahmen für Batterien (Akku) und optional gewünschtes Zubehör entstehen.

Wie lange begleitet mich mein CI?

Das Implantat unter der Haut muss im Normalfall nicht ersetzt werden (was eine Neuimplantation so gut wie ausschließt). Die Reparatur oder der Austausch des Prozessors erfolgt ohne Operation.