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Wie gelingt der Umgang mit dem Hörverlust

Strategien für besseres Hören

Auch wenn das „Schlecht-hören-können“ vielen Betroffenen zunächst peinlich ist, bringt es auf Dauer gar nichts, wenn Sie versuchen, die Hörschwierigkeiten zu verstecken oder zu überspielen. Stattdessen sollten Sie sich einige spezielle Taktiken für besseres Hören zurechtlegen. Das und ein offener Umgang mit dem eigenen Handicap helfen vielen Betroffenen meist sehr, ganz unabhängig, ob sie bereits Hörgeräte nutzen oder noch nicht. Wir haben einige Tipps für Sie zusammengestellt:

  • Die richtige Position
    Der beste Abstand zum Gesprächspartner sind ein bis eineinhalb Meter. Wenn Sie auf einem Ohr besser hören können, wenden Sie dieses dem Sprecher zu. Achten Sie darauf, dass Sie den Gesichtsausdruck Ihres Gesprächspartners gut erkennen können und verändern Sie notfalls Ihre Position, wenn Sie von Licht geblendet sind. Eliminieren Sie störende Geräuschquellen: Schalten Sie den Fernseher oder das Radio aus, schließen Sie Türen und Fenster oder begeben Sie sich in einen ruhigen Raum.
  • Visuelle Hinweise nutzen
    Sehr viel lässt sich durch Beobachten des Sprechers ableiten: Lippenbewegungen, Gesichtsausdruck, Gesten und Körpersprache. Wenn Sie während des Gesprächs auf die Lippen statt in die Augen schauen, können Sie meist leichter verstehen, was der andere sagt.
  • Sprech- und Denkpausen nutzen
    Denkpausen müssen nicht immer mit Worten gefüllt werden. In einer Gruppensituation – aber auch im Einzelgespräch – kann eine kurze Pause ausreichen, das Gehörte zu verarbeiten und zum Gespräch aufzuschließen. Gestehen Sie sich selbst zu, sich bei Bedarf aus einem Gespräch zurückzuziehen. Zuhören erfordert große Konzentration und Energie – umso mehr, wenn Sie erschöpft oder krank sind.
  • Konkret Nachfragen
    Wenn Ihnen im Gespräch etwas entgangen ist, können Sie statt „Wie bitte?“ konkret nachfragen. Sie können sagen, dass Sie den Schluss des Satzes nicht verstanden haben oder Sie benutzen die Worte, die Sie verstanden haben, für eine konkrete Frage, z. B.: „Was war mit dem Auto?“ So vermeiden Sie Frustration auf beiden Seiten und das Gespräch kann flüssiger verlaufen.
  • Ehrlich sein
    Zögern Sie nicht, anderen mitzuteilen, dass Sie schwerhörig sind und weisen Sie Ihre Gesprächspartner direkt darauf hin, wie sie Ihnen helfen können. Erklären Sie, dass Sie eine klare und natürliche Aussprache am besten verstehen, dass niemand rufen muss und dass eine ungehinderte Sicht auf das Gesicht/den Mund hilfreich ist.
  • Auf das Thema konzentrieren
    Gerade in der Gruppe ist es einfacher einem Gespräch zu folgen, wenn Ihnen das diskutierte Thema bekannt ist. Bitten Sie Freunde oder Angehörige um unauffällige Hinweise zum Gespräch oder wenn sich das Thema ändert. Sie können natürlich auch direkt fragen, worüber gesprochen wird.
  • Geräuschkulisse an öffentlichen Orten einplanen
    Wenn Sie vorhaben, ins Restaurant oder ins Theater o.ä. zu gehen, bedenken Sie Ihre Hörbedürfnisse. Erkundigen Sie sich über die Geräuschkulisse des Restaurants und wählen Sie möglichst einen Tisch in einer ruhigen Ecke oder Nische. Bei Konzerten, Theateraufführungen, Vorlesungen oder Versammlungen sollten Sie frühzeitig eintreffen, um sich einen Platz weit vorn oder in der Nähe der Lautsprecheranlage zu sichern. Vor Meetings sprechen Sie mit dem Sitzungsleiter, damit er immer nur einer Person das Wort erteilt. Lassen Sie sich einen schriftlichen Themenplan geben, so wissen Sie, worüber als nächstes gesprochen wird.
  • Über sich selbst lachen können – realistisch bleiben
    Auch Menschen mit gutem Gehör verstehen nicht immer alles. Bleiben Sie also ruhig, wenn Ihnen mal etwas entgeht. Sie sollten sich darauf konzentrieren, was jemand zum Ausdruck bringen möchte, statt auf jedes einzelne Wort. Über einen Fehler im Gespräch zu lachen ist wesentlich hilfreicher, als sich Vorwürfe zu machen oder sich gar zurückzuziehen. Wenn Sie angespannt und negativ sind, nimmt Ihnen das nur die Freude an der Unterhaltung. Jeder versteht mal etwas falsch. Wenn Sie das mit Humor nehmen, bleiben Sie mit demjenigen, der mit Ihnen spricht, in gutem Kontakt.
  • Sprechen Sie so, wie Sie es von anderen erwarten
    Menschen neigen dazu, Sprache und Körperhaltung demjenigen anzupassen, mit dem sie sich unterhalten. Stehen oder sitzen Sie aufrecht, schauen Sie Ihrem Gesprächspartner ins Gesicht, sprechen Sie klar und deutlich mit bestimmter Stimme – so regen Sie andere an, dies auch so zu machen. Wenn Sie Mühe haben, die Lautstärke Ihrer Stimme einzuschätzen, fragen Sie Ihr Gegenüber, ob Sie zu laut oder zu schnell reden. Dadurch achtet auch der andere beim Reden auf Lautstärke und Tempo.
  • Informiert bleiben
    Ziehen Sie sich nicht zurück. Informieren Sie sich über das Geschehen um Sie herum. Dies hilft Ihrem Hörvermögen, da Sie gedanklich fit bleiben und Ihr Gedächtnis trainiert wird. Wenn Sie wissen, was in der Welt, in Ihrem Umfeld geschieht, fällt es Ihnen viel leichter, sich in Gespräche einzuschalten und daran zu beteiligen. Das gilt auch für Kino- oder Theaterbesuche. Wenn Sie vorher wissen, worum es geht, können Sie leichter folgen.
  • Hörhilfsmittel nutzen
    Hilfsmittel können Ihnen das Hören erleichtern, sowohl zu Hause als auch an öffentlichen Orten. Es gibt hilfreiche Zusatzgeräte für Telefone, Fernseher und Radios, sogar für die Türklingel.

Hörhilfen

Hörhilfsmittel sollen Ihnen das Hören in bestimmten Situationen, wie am Telefon, beim Fernsehen oder in Vorträgen erleichtern. Sie können allein oder zur Unterstützung einer vorhandenen Hörhilfetechnologie verwendet werden und so das Verstehen von Sprache erleichtern sowie die Freude an der Unterhaltung verbessern. Beispielsweise gibt es für Fernsehgeräte Infrarotsysteme mit persönlichem Empfänger. So kann der Rest der Familie in einer für sie angenehmen Lautstärke fernsehen, während Sie die Lautstärke für sich regeln können.

Ähnlich funktionieren persönliche FM-Systeme: Sie umfassen ein Mikrofon mit Sender für den Redner und einen Empfänger, den Sie tragen. Die Signale des Redners werden entweder an einen Kopfhörer oder direkt an Ihr Hörgerät übertragen. Solche Systeme eignen sich gut für größere Versammlungen oder Ansprachen, beispielsweise Betriebsversammlungen, Theater, Vorlesungen, Kirchen oder Museen. Ein weiterer Vorteil ist, dass dabei Probleme mit Hintergrundgeräuschen, Distanzen oder schlechter Akustik umgangen werden können. An wichtigen öffentlichen Orten wie Museen oder Bibliotheken gibt es sogenannte Induktionsschleifensysteme, auf die Sie die Induktionsspule an Ihrem Hörgerät einstellen können. So empfangen Sie drahtlos die Töne, die aus den Lautsprechern kommen. Ähnliche Hörsysteme gibt es auch für die persönliche 1:1 Kommunikation.

Auch fürs Telefonieren oder Musikhören gibt es Hörhilfsmittel, die die Lautstärke aus dem Lautsprecher erhöhen. Gleichzeitung werden Rückkoppelungen und Hintergrundgeräusche unterdrückt sowie die Sprachqualität verbessert. Darüber hinaus gibt es viele weitere hilfreiche Geräte, wie beispielsweise verstärkte Türklingeln, Rufsysteme oder vibrierende Wecker, die als Armband am Handgelenk

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Leben mit Tinnitus

Gerade lärm- oder altersbedingte Schwerhörigkeit geht häufig mit einem dauerhaften Ohrgeräusch (Tinnitus) einher. Das Leben damit kann sehr schwierig und nervenaufreibend sein. Für den Alltag gibt es einige Tipps, mit denen Sie sich das Leben leichter machen können.

Tipps zum Umgang mit Tinnitus:

  • Vermeiden Sie Stress, da dieser eine Überempfindlichkeit des Gehörs hervorruft.
  • Gönnen Sie sich regelmäßig Pausen und Entspannung, um Ihr Gehör nicht zu überanstrengen.
  • Vermeiden Sie weitere Stimulation des Tinnitus durch Nikotin, Alkohol oder Kaffee.
  • Versuchen Sie mit einer aufgerichteten Kopfhaltung zu schlafen, in dem Sie sich mit mehreren Kissen abstützen. Dies vermeidet eine Blutanstauung im Gehirn und kann so den Tinnitus abschwächen.
  • In einer sehr ruhigen Umgebung wie beispielsweise dem Schlafzimmer, ist der Tinnitus meist deutlicher wahrnehmbar. Jedes beliebige Geräusch, ein tickender Wecker oder ein ganz leise spielendes Radio, kann benutzt werden, um den Tinnitus zu maskieren und ihn so abzuschwächen.
  • Benutzen Sie einen Maskierer (ein kleines Gerät, das ein Geräusch/weißes Rauschen erzeugt, das für Sie angenehm ist und den Pfeifton überdeckt).
  • Vermeiden Sie Situationen, die Ihr Gehör weiter schädigen können. Schützen Sie Ihr Gehör bei lauter Umgebung.
  • Manche Menschen tragen ein Hörgerät, da es die Geräusche von außen verstärkt und so auch als eine Art Maskierer funktioniert.

Schriftliche Kommunikation

Nur weil jemand schlechter oder nicht mehr hören kann, bedeutet das nicht, dass er weniger produktiv, lustig oder interessant ist. Ebenso bleiben natürlich auch Interessen erhalten. Menschen mit Hörminderung sollten diese – so irgendwie möglich – unbedingt weiter pflegen.

Das Internet und die Nutzung von Handys und Smartphones eröffnen Betroffenen ganz neue Möglichkeiten am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben. Die Kommunikation auf schriftlicher Ebene ist heute so einfach wie nie: Kurznachrichten, Whatsapp oder E-Mail hat fast jeder mit nur einer Fingerbewegung zur Verfügung. Ein Großteil der Bevölkerung unterhält sich täglich, teilweise sogar ausschließlich, über dieses Medium. Dabei ist es völlig egal, wie gut jemand hören kann. Und das Internet im Generellen kann auch zum größten Teil als schriftliches/visuelles Medium gelten.


Probleme in der Wohnung

Das „Problem“ beim Wohnen – vor allem dem allein Wohnen – ist, dass der größte Teil der modernen Signalgeber als akustische Hinweise funktionieren: Sei es die Türklingel, das Telefon, Mikrowelle oder Wecker; selbst Herd, Wasch- oder Spülmaschine machen sich über akustische Signale bemerkbar. Auch Sicherheitssysteme, wie zum Beispiel Rauchmelder oder Alarmanlagen, setzen voll und ganz auf Töne als Zeichen der Gefahr. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, indem die akustischen Signale in Licht- oder Vibrationsalarme umgewandelt werden.

Dafür stehen zahlreiche Systeme zur Verfügung, die sogar universell eingesetzt werden können. Ein Gerät wird dann zentral in der Wohnung platziert und darauf programmiert, verschiedene Geräuschquellen in verschiedene Lichtsignale umzuwandeln. So sieht dann auch das Klingeln an der Haustür anders aus als das Telefon oder das Babyphon. Alternativ zur Lichttechnik gibt es Vibrationssysteme – beide Arten können selbstverständlich auch gleichzeitig zum Einsatz kommen.

Für Gehörlose sind solche Systeme – gerade im Sicherheitsbereich – unerlässlich. Doch auch Menschen, die von einer Hörminderung betroffen sind, können sich so das Leben erleichtern: Endlich müssen sie keine Angst mehr haben, etwas zu überhören oder einen Besucher an der Tür zu verpassen. Und sie können sich so wieder rundum wohl fühlen in ihren eigenen vier Wänden.

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Das Leben mit einer nicht behandelten Hörminderung hat starke Auswirkungen auf die Kommunikation. Es kommt häufig zu Situationen, in denen die Betroffenen Dinge einfach nicht verstehen und so auch nicht reagieren können. Das Umfeld reagiert mit Ablehnung und distanziert sich schlimmstenfalls. Auch Umweltgeräusche werden nicht oder nur vermindert wahrgenommen, so dass unter Umständen auch das Risiko von Gefahren steigt. » Mehr erfahren

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