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Bauformen - Was für Hörgeräte gibt es?

Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO)

Diese Geräte werden – wie der Name sagt – hinter dem Ohr, leicht oberhalb der Ohrmuschel, getragen. Die wichtigen Bauteile sowie der Lautsprecher sind im Gehäuse untergebracht. Über ein Winkelstück und einen kleinen Kunststoffschlauch wird der empfangene Schall zu einem Ohrpassstück geleitet. Im äußeren Gehörgang sitzend sorgt dieses Ohrpassstück dafür, dass das Hörgerät an seiner Position bleibt. Und es überträgt die Schallwellen an das Trommelfell.

Auch bei den HdO-Geräten ist in den letzten Jahren die Form immer kleiner und filigraner – und damit unauffälliger – geworden. Wer mag, kann auch aus vielen verschiedenen Gehäuse-Farben auswählen. Gerade für Sportler sind beispielsweise Modelle interessant, die Wasser, Schweiß oder Staub abweisend sind. Selbst für den Einsatz im Wasser – bis zu einem Meter Tiefe – gibt es spezielle Hörgeräte.

Vorteile der HdO-Geräte:
  • die Batterien sind größer und damit leistungsstärker als bei In-dem-Ohr-Geräten
  • die Tasten für die Programmwahl sind häufig größer und so besser erreichbar und leichter bedienbar
  • eine offene Versorgung ist realisierbar
  • viele der Geräte können über einen aufsteckbaren Audioschuh direkt mit Radio oder Fernseher verbunden werden oder auch kabellose Signale von Induktions-, Funk- oder Infrarotanlagen empfangen.

Aufbau eines HdO-Hörgerätes

Aufbau Hörgerät Alle Hörgeräte bestehen aus den gleichen Hauptbestandteilen. Am Beispiel der Hinter-dem-Ohr- Geräte sind das so aus:

  • Mikrofon – nimmt den Schall auf und wandelt ihn in elektrische Signale um
  • Verstärker – steigert die Intensität der Signale des Mikrofons. Filter ändern die Geräusche, so dass nur relevante Töne verstärkt werden.
  • „Lautsprecher“ - Der Empfänger (oft Lautsprecher genannt) wandelt die elektrischen Signale in akustische Signale um.
  • Sprachprozessor – Mit diesem winzigen Mini- Computer können die Signale auf die speziellen Hörbedürfnisse des Trägers angepasst werden.
  • Lautstärkeregler – um die Lautstärke zu regulieren
  • Hörwinkel – Verbindungsstück zwischen Hörgerät und dem Schallschlauch
  • Audioeingang – dient der Signalaufnahme über weitere externe Geräte
  • Batterie – dient der Energieversorgung
  • Die Verbindung vom Hörgerät zum Ohr erfolgt über den Schallschlauch, an dessen Ende ein so genannter Ex-Hörer (Lautsprecher mit Fixierschirmchen) oder ein Ohrpassstück/Ohrschale (auch Otoplastik) sitzt.
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In-dem-Ohr-Geräte (IdO)

Auch bei dieser Art der Hörgeräte gibt der Name die Bauart an: sie sitzen mehr oder weniger im Ohr. Unterschieden werden:

  • Ohrmuschel-Geräte (Concha-Geräte), die in der Ohrmuschel (= Concha) sitzen.
  • Gehörgangs-Geräte, die mehr oder weniger tief im Gehörgang sitzen.
  • Modelle, die komplett im Ohr verschwinden. Diese werden CIC Geräte genannt (CIC = completey in the canal; übersetzt etwa: komplett im Kanal).

Alle Bauteile befinden sich in einer kleinen Schale, die wie ein Stöpsel ins Ohr geschoben wird. Manche Geräte haben eine antennenförmige Kunststofflasche zum Herausziehen. IdO-Geräte zählen zur geschlossenen Versorgung, was jedoch vielen Betroffenen unangenehm ist.

Der Vorteil von Hörgeräten, die tief im Gehörgang sitzen ist der, dass dort der Schall recht natürlich empfangen werden kann, weil die Eigenschaften der Ohrmuschel (Schall filtern, Richtungshören) mitgenutzt werden. Dafür gibt es neuartige CIC-Geräte im Miniaturformat. Die winzigen Geräte sollen drei bis vier Monate im Ohr verbleiben und erfordern keine Pflege oder Wartung. Sie sind allerdings nur bei schwachen oder mittelgradigem Hörverlust geeignet und: Sie kosten ein kleines Vermögen. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis sich das für den Massenmarkt durchsetzt.

Allerdings kann die Lautstärkeregelung und Programmwahl oft über eine Fernbedienung erfolgen und viele Modelle können sich heutzutage kabellos mit elektronischen Geräten wie Handy oder Fernseher verbinden.

Weitere Nachteile sind:
  • häufige Batteriewechsel
  • oft zu wenig leistungsstark bei schwerer Hörminderung
  • einen Audioanschluss in Form eines Audioschuhs gibt es aus Platzgründen nicht und eine T-Spule lässt sich – auch aus Platzgründen – nur in Concha-Modellen anbringen

Offene vs. geschlossene Versorgung
Damit ist gemeint, dass manche Hörgeräte den Gehörgang komplett verschließen, während ihn andere offen lassen, so dass auch zusätzlich auf „normalem“ Weg Schallwellen zum Trommelfell gelangen können.

Die offene Versorgung ist bei allen HdO-Geräten mit Rückkopplungstechnik zu verwirklichen. Dabei wird der Schallschlauch und das Ohrstück im äußeren Gehörgang von einem Schirmchen fixiert.

Im Gegensatz dazu spricht man von einer geschlossenen Versorgung, wenn der äußere Gehörgang durch ein Ohrpassstück oder ein In-dem-Ohr-Gerät weitgehend verschlossen ist. Bei dieser Variante sitzt das Ohrstück besser im Gehörgang. Ein Nachteil der geschlossenen Versorgung ist die Entzündungsneigung, da sich Feuchtigkeit im Gehörgang bilden kann und ein Luftaustausch fehlt.

Weitere Formen

Manchmal sind die üblichen Hörgeräte keine geeignete Lösung, dann gibt es jedoch Alternativen:

  • Hörbrillen – Bei diesen Geräten sitzt vor der Ohrmuschel am Brillenbügel ein Mikrofon und eventuell ein Programmschalter und im Bügel hinter dem Ohr sind Teile der Elektronik sowie die Batterie untergebracht. Für Brillenträger kann das eine optimale Lösung sein. Es gibt auch die Möglichkeit, per Schnappverschluss den Hörgeräteteil auf verschiedene Brillen zu stecken.
  • Knochenleitungshörgeräte – Auch diese Art des Hörgeräts kommt in Brillenform daher. Über die Bügel, die stark an den Kopf drücken, wird der Schall auf den Schädelknochen übertragen. Wer immer wieder unter starken Mittelohrentzündungen leidet, für den kann das die richtige Hörhilfe sein.
  • Knochenverankerte Hörgeräte – Bei diesen Hörgeräten wird die Knochenleitung genutzt, um ein funktionsuntüchtiges Mittelohr zu umgehen. Dabei wird hinter dem Ohr eine Titanschraube implantiert und das Hörgerät wird mit einem Schnappverschluss an dem Implantat befestigt.
  • Implantierte Mittelohrhörgeräte – Diese so genannten aktiven Mittelohrimplantate versetzen direkt die Gehörknöchelchen im Mittelohr in Schwingungen.
  • Cochlea-Implantate – Impantierte Hörgeräte nutzen ebenso wie herkömmliche Hörgeräte die noch vorhandenen Möglichkeiten der Hörzellen. Cochlea-Implantate überbrücken jedoch die fehlenden Sinneszellen in der Hörschnecke (der Cochlea) und stimulieren direkt den Hörnerv.
  • Hirnstamm-Implantate – Wenn der Hörnerv geschädigt ist, kann unter Umständen, ein Implantat, das in das Gehirn eingesetzt wird, Schallreize hörbar machen. Die Technik ist ähnlich wie beim Cochlea-Implantat, nur führt die Elektrode bis zum Hirnstamm.

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