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In Balance: So funktioniert der Gleichgewichtssinn

05/18/2017
Linda
In Balance: So funktioniert der Gleichgewichtssinn

Nach einer Schiffsfahrt spürt man die Wellenbewegungen, obwohl man schon längst wieder festen Boden unter den Füßen hat, Lesen im Auto oder während der Zugfahrt führt zu Übelkeit und geradeaus zu laufen, nachdem man sich im Kreis gedreht hat, ist fast nicht möglich. Diese oder ähnliche Phänomene sind sicherlich jedem bekannt. Ihnen gemeinsam ist, dass sie unseren Gleichgewichtssinn auf die Probe stellen und er uns damit bewusst wird. Normalerweise sorgt er ganz im Stillen dafür, dass unsere Wahrnehmung und unser Körper in Balance sind. Doch wie funktioniert der Gleichgewichtssinn?

Zentrales Element im Ohr

Am Gleichgewicht sind mehrere „Parteien“ im Körper beteiligt. So gehören die Augen und der Sehnerv ebenso dazu wie der Tastsinn, die Tiefensensibilität und die Muskulatur. Zentral für die Funktion des Gleichgewichtssinns ist jedoch die vestibuläre Wahrnehmung, die über das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) gesteuert wird. Der Vestibularapparat besteht zum einen aus drei Bogengängen, die jeweils im 90°-Winkel senkrecht aufeinander stehen und damit die drei Dimensionen des Raumes abdecken. Jeder Bogengang hat eine sogenannte Sinnesleiste, auf der die Sinneszellen (Haarzellen) liegen. Zum anderen besteht das Vestibularorgan aus dem großen und dem kleinen Vorhofsäckchen (Maculaorgane). Darin liegen Sinneszellen, die der Wahrnehmung von Geschwindigkeiten dienen.

Jede Bewegungsrichtung erkennbar

Das gesamte Gleichgewichtsorgan – also Bogengänge und die Vorhofsäckchen – ist für die Wahrnehmung von Bewegungen in jede erdenkliche Richtung und die Weiterleitung der Information an das Gehirn verantwortlich. Lineare Bewegungen – zum Beispiel nach oben und unten beim Fahrstuhlfahren – oder horizontale Beschleunigungen beim Auto- oder Zugfahren sprechen die beiden Vorhofsäckchen an. Neben den Sinnesfeldern besitzen sie eine gallertartige Masse, die bei Geschwindigkeitsänderungen ebenfalls in Bewegung gerät. Sie ist mit den feinen Sinneszellen verbunden, sodass diese durch die Bewegung der Masse ebenfalls in eine bestimmte Richtung verbogen werden. Dieser Reiz wird an das Kleinhirn weitergeleitet, das entsprechend darauf reagiert, zum Beispiel mit schnellen Augenbewegungen – auch auch vestibulo-okulärer Reflex gennannt –, um trotz Körperbewegung ein stabiles Bild zu ermöglichen. Die Reizweiterleitung in den drei Bogengängen funktioniert auf ähnliche Weise, nur dass hier vor allem Drehbewegungen, zum Beispiel Drehen des Kopfes verarbeitet werden.

Störungen des Gleichgewichtssinns

Treten Störungen des Gleichgewichtssinns auf, liegt das in der Regel daran, dass die verschiedenen beteiligten Parteien unterschiedliche Informationen an das Kleinhirn senden. Ein gutes Beispiel ist das Lesen im Auto: Während das Gleichgewichtsorgan im Ohr meldet, dass sich der Körper in einer Vorwärtsbewegung befindet, senden die Augen das Signal der Bewegungslosigkeit, weil das Buch in der Hand ruht. Diese verschiedenen Informationen können zu Schwindel und Übelkeit führen. Manchmal treten solche Schwindel jedoch auch im Zusammenhang mit einer Hörstörung auf, vor allem wenn das Innenohr betroffen ist, in dem auch das Gleichgewichtsorgan angesiedelt ist. 

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