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Wer Töne ohne einen Bezugston ganz genau bestimmen kann und einzelne Töne voneinander unterscheiden kann, der verfügt über ein absolutes Gehör. Doch was genau ist das, wer hat es und wozu braucht man denn überhaupt ein absolutes Gehör? Hier finden Sie die wichtigsten Informationen.

Was ist das absolute Gehör?

Wenn man Töne hört, sie genau bestimmen und in ein Notensystem einordnen kann, besitzt man ein absolutes Gehör, auch Tonhöhengedächtnis genannt. Ein Absoluthörer kann also genau sagen ob er gerade ein C, C# oder D des Notensystems gehört hat. Die meisten Menschen haben ein relatives Gehör, das heißt sie können einzelne Töne nicht genau zuordnen, sondern lediglich zwei Töne, die sie hintereinander hören voneinander unterscheiden. Menschen, die absolut hören können hingegen Töne ohne Bezugston bestimmen. Die genaue Ursache, warum manche Menschen diese Fähigkeit besitzen und manche nicht, konnte noch nicht vollständig erforscht werden.

Wer hat das absolute Gehör?

In Europa und Amerika besitzt von 10.000 Menschen gerade mal einer das besondere Hörvermögen. Anders ist das in Asien und Afrika. Hier besitzen etwa 50 Prozent, also jeder Zweite diese Fähigkeit. Laut Forschern (wie der bekannten Musikpsychologin Diana Deutsch) muss dies aber keinen genetischen Hintergrund haben, sondern hängt vermutlich damit zusammen, dass die dort gesprochenen Sprachen sehr tonal sind. Beispielsweise kann eine chinesische Silbe, in unterschiedlichen Stimmlagen und Tonhöhen gesprochen, verschiedene Bedeutungen haben. Studien zufolge könnte jeder Mensch die Fähigkeit erwerben, er muss nur von Geburt an eine tonale Sprache wie Mandarin lernen. Asiaten, die in Amerika aufwuchsen und nicht ihre Muttersprache lernten, haben die Fähigkeit zum absoluten Hören nicht. Dieses wiederum lässt darauf schließen, dass Gene nicht der Auslöser für das besondere Gehör sind. Auf der anderen Seite konnten Forscher jedoch nachweisen, dass die Chance des absoluten Hörens höher ist, wenn andere Familienmitglieder sie ebenfalls besitzen. Die Frage nach dem genetischen Hintergrund ist also nach wie vor ungeklärt.

Übrigens: auch einige Tiere wie Wölfe, Fledermäuse und Blauwale hören absolut. Durch das Erkennen bestimmter Tonhöhen können sie ihre Sexualpartner identifizieren.

Wozu braucht man das überhaupt?

Forscher behaupten, jedes Baby wäre ein Absoluthörer, um so seine jeweilige Muttersprache erlernen zu können. Jedoch geht diese Fähigkeit bei Kindern mit zunehmenden Alter wieder verloren, wenn sie nicht gefördert oder gebraucht wird. Andere behaupten, das absolute Gehör sei ein Überbleibsel aus früheren Zeiten, in denen es wichtig war, Feinde sofort am fremdartigen Klang ihrer Stimme zu erkennen. Fakt ist jedoch, dass auch Menschen, die ihr Leben lang absolut hören konnten, diese Fähigkeit im hohen Alter einbüßen.

Kann man ein absolutes Gehör erlernen?

Grundlage für ein absolutes Gehör ist natürlich ein frühes Interesse an Musik und Tönen. Schon im Alter von vier Jahren wird das Hörzentrum im Gehirn strukturiert. Also müsste man vor dem vierten Geburtstag eine musikalische Ausbildung beginnen und das Erkennen von Tönen schulen. Für Jugendliche oder Erwachsene ist es nahezu unmöglich, sich ein perfektes Gehör zu anzueignen, selbst wenn sie Musiker sind und Instrumente spielen. Es besteht zwar die Möglichkeit, den Klang von Tönen auswendig zu lernen, jedoch wird das Erkennen meist schon sehr schwierig, wenn mehr als ein Ton gleichzeitig gespielt und mit andere Tonarten vermischt wird.

Doch auch ohne absolutes Gehör ist Musik eine wichtige Bereicherung für jeden Menschen. Speziell im Kindesalter hilft sie, das Sprechen zu erlernen und das Gedächtnis zu trainieren. Musik hören und machen schult das Gehör, verbessert das Rhythmusgefühl, hilft Stress abzubauen und macht gute Laune. Ein absolutes Gehör ist allerdings keine Grundvoraussetzung um als Musiker erfolgreich durch zu starten.

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