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Phase der Gewöhnung

Lassen Sie sich nicht abschrecken!

Schwerhörige leben in ihrer eigenen Geräuschwelt. Je nachdem wie stark der Hörverlust ist, wird die Umgebung nur noch gedämpft, manche Geräusche gar nicht mehr wahrgenommen. Mit einer Hörhilfe ändert sich diese Wahrnehmung abrupt. Der Alltag wird erschreckend laut. Die eigene Stimme klingt möglicherweise anders. Und auch der Klang von gewohnten Geräuschen kann sich unter Umständen ändern. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken! Die Gewöhnungsphase kann einige Zeit dauern.

Der interessanteste Moment war natürlich das erste Probehören [...]. Im ersten Moment dachte ich, das ist ja hier nur ein großes Rauschen. Das waren die Umweltgeräusche [...]. Dann hörte man ein paar Meter weiter Leute sprechen, die man vorher nie gehört hätte. Ich habe im ersten Moment unheimlich viel wahrgenommen.
– Andre, 51 Jahre, GEERS-Kunde aus NRW


Geben Sie Ihrem Gehirn Zeit

In der Zeit der Schwerhörigkeit hat das Gehirn verlernt mit der normalen Geräuschkulisse umzugehen. Es hat weniger Reize bekommen als früher und so verlernt wie sich vor allem leise Geräusche anhören und wie sie zu verarbeiten sind.

Normalerweise blendet das Gehirn unwichtige Hörreize wie Blätterrauschen oder das Tippen von Tasten in einem Büro aus. Doch wenn es diese Geräusche nicht mehr wahrnimmt, vergisst es, wie damit umzugehen ist. Die schallverarbeitenden Gehirnzentren müssen also nicht nur lernen, dass mit Hörgerät alles etwas anders klingt, sondern auch, dass es manche Geräusche wieder filtern muss. Dies kann einige Zeit dauern.

Tipp
Um ihrem Gehirn dabei zu helfen, sich wieder an einen normalen Geräuschpegel zu gewöhnen und seine Filteraufgaben wieder wahrzunehmen, müssen Sie das Hörgerät regelmäßig tragen. Es ist wichtig, nicht vorschnell aufzugeben.

Es kann helfen, Ihre Erfahrungen und Probleme in einem Hörtagebuch niederzuschreiben. Wenn Sie gar nicht zurechtkommen, gehen Sie damit zu Ihrem Hörakustiker, der Ihnen dann bei der Problembewältigung helfen kann. Manchmal kann es sinnvoll sein, eine Audiotherapie zu machen, lassen Sie sich dazu rechtzeitig beraten.

Im GEERS Fachzentrum bieten unsere Hörexperten Ihnen zusätzliche Beratung und Unterstützung: Nach Ihrer Hörgeräteanpassung können wir mit Ihnen Hörtrainings durchführen, um Ihnen die Gewöhnung an Ihr Hörgerät zu erleichtern.


Machen Sie sich mit der Handhabung vertraut

Ein wichtiger Punkt, der Ihnen helfen kann, sich an den Umgang mit Ihrem neuen Gerät zu gewöhnen, ist es, sich mit der Handhabung vertraut zu machen. Lassen Sie sich das Einsetzen und Herausnehmen der Hörhilfe von Ihrem Hörgeräteakustiker erklären und üben Sie es regelmäßig. Informieren Sie sich auch über die richtige Pflege und Wartung. Probieren Sie die verschiedenen Einstellungen aus und „hören“ ihre Unterschiede. So verlieren Sie die Distanz zu Ihrer Hörhilfe.

Lassen Sie sich jetzt in einem der über 525 Fachgeschäfte von unseren Hörspezialisten beraten.
 

Nutzen Sie das Gerät zunächst Zuhause

Nutzen Sie Ihre Hörhilfe zunächst in den eigenen vier Wänden in einer ruhigen Umgebung. Das erleichtert Ihnen, Geräusche zu erkennen und richtig zuzuordnen, ohne dass Sie sofort von Straßen- oder Gesprächslärm überfordert sind. Sie sollten auch darauf achten, die Umgebung so ruhig wie möglich zu gestalten und nicht beispielsweise den Fernseher in einem Zimmer und das Radio im Nebenzimmer laufen zu lassen.

Tipp
Wenn Ihnen die Schalleindrücke zu intensiv sind, nehmen Sie das Hörgerät heraus und erholen Sie sich. Beginnen Sie mit einer Tragedauer von wenigen Stunden und erhöhen Sie die Tragezeit von Tag zu Tag bis Sie es von morgens bis abends tragen können.

Auch ein Spaziergang in der Natur kann Ihnen helfen, sich an Ihre Hörhilfe zu gewöhnen. Denn dort können Sie ohne viele Nebengeräusche vor allem auf leise Geräusche achten - das Rascheln von Laub, Vogelgezwitscher oder das Plätschern von Wasser in einem Springbrunnen.


Nach und nach technische Geräte nutzen

Probieren Sie Fernsehgerät und Radio in aller Ruhe neu aus. Hier empfehlen sich vor allem Nachrichtensendungen für einen ersten Test. In diesen sind die Sprecher häufig gut ausgebildet. Sie sprechen klar und deutlich, es folgt ein Beitrag nach dem anderen und es gibt kaum Nebengeräusche wie Hintergrundmusik oder Soundeffekte.

Sie können das Telefonieren mit einem Freund ausprobieren. Am besten regeln sie vorher die Lautstärke herunter und stellen Sie während des Gesprächs richtig ein. Es ist gut möglich, dass weder das Telefonieren mit dem Festnetz noch mit dem Handy Ihnen Probleme bereitet. Wenn Sie Zusatztechnik benötigen, lassen Sie sich von Ihrem Hörgeräteakustiker beraten.


Wagen Sie sich an Gesprächssituationen

Die ersten Gespräche mit Ihrem Hörgerät sollten in einer entspannten Atmosphäre stattfinden. Es ist ratsam nur ein oder zwei Gesprächspartner zu haben und sich in einer ruhigen Umgebung ohne Nebengeräusche wie Fernseher- oder Waschmaschinenlärm zu befinden. Erklären Sie Ihren Gesprächspartnern, welche Folgen die Hörminderung in der Kommunikation hat und wie sie Ihnen bei Gesprächen helfen können.

Für Gespräche gibt es einige nützliche Tipps, die Ihnen auch in späteren Situationen mit mehr Umgebungsgeräuschen helfen können:

  • Achten Sie auf Mimik und Gestik! Wenn Sie bewusst darauf achten, welche Mundbewegungen Ihr Gesprächspartner macht, können Sie lernen diese in Wörter zu übersetzen. Das Gehirn nutzt diese Technik bereits unbewusst, um genuschelte Worte zu verstehen. Mit ein bisschen Übung können Sie diese Fähigkeit gezielt trainieren und nutzen.
  • Wählen Sie eine optimale Hörposition! Die Mikrofone in den Hörgeräten sind in der Regel nach vorn gerichtet. Sitz der Sprecher hinter oder seitlich von Ihnen wird es für Sie schwerer ihn zu verstehen. Positionieren Sie sich also gegenüber von Ihrem Gesprächspartner, am besten vis-à-vis. So können Sie auch die Mundbewegungen besser sehen.
  • Sollten Sie ein Gespräch in einer größeren Gruppe führen, bitten Sie die Teilnehmer um das Einhalten von Gesprächsdisziplin. Deutliches Sprechen und nacheinander Reden hilft für das Verständnis ungemein. In manchen Situationen entwickeln sich die Gespräche häufig schnell. Grämen Sie sich nicht, wenn Sie dann dem Gespräch phasenweise nicht folgen können. Fragen Sie später noch einmal nach, ob Ihnen jemand das Gesagte zusammenfassen kann.

Der letzte Schritt: Laute Umgebungen

Wenn Sie sich etwas an ihr Hörgerät gewöhnt haben, probieren Sie Ihr Hörgerät in Umgebungen mit vielen und lauten Umgebungsgeräuschen wie der Straße oder Restaurants aus. Es bietet sich an, an diesen Orten zu testen, wie gut Sie Hintergrundgeräusche filtern und sich unterhalten können.

Tipp
Es gibt eine Adressliste für Lokale ohne musikalische Untermalung (www.pipedown.de). Diese bieten eine ruhige Umgebung, in der man sich gut unterhalten kann. Es ist außerdem hilfreich, wenn Sie vorher einen Tisch reservieren mit Abstand zur Eingangstür, zur Theke, zum Durchgang zu den Toiletten, zur Küche oder zu eventuellen Kindertischen. Setzen Sie sich mit dem Rücken an den Wand, da dort der Geräuschpegel niedriger ist. Ideal sind Gardinen oder andere weiche (schallschluckende) Materialien.

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