So hört der Mensch

So hört der Mensch

Um zu verstehen, worunter man bei einer Schwerhörigkeit überhaupt leidet, muss man natürlich zunächst wissen, wie das Hören eigentlich funktioniert. Im Folgenden erklären wir Ihnen, was im Innern eines gesunden Ohres passiert und im Anschluss daran, wie sich diese Abläufe im Fall eines beeinträchtigten Hörvermögens ändern.

Der Schall wird durch die Luft zum Ohr getragen und dort von der Ohrmuschel, die wie ein Trichter wirkt, aufgenommen. Dann werden die Schallwellen gebündelt und in den Gehörgang geleitet. Am Ende des Gehörgangs trifft der Schall auf das Trommelfell, das durch die ankommenden Schallwellen in Schwingungen versetzt wird und mit diesen Schwingungen wiederum drei Gehörknöchelchen im Mittelohr in Bewegung setzt: Hammer, Amboss und Steigbügel.

Durch diesen mechanischen Vorgang wird der Schall bis zum Innenohr weitergeleitet und verstärkt. Im Innenohr beginnt der Schallempfindungsteil des Gehörs. Das Innenohr, das wie ein Schneckengehäuse geformt ist (lateinisch cochlea), ist etwa so klein wie ein Kirschkern, sehr komplex aufgebaut und gilt als extrem genaues „Messgerät“. Durch die Schnecke werden gleichzeitig sehr leise oder sehr laute Schallsignale (der Messbereich des Innenohres) und feinste Tonhöhen-Unterschiede (Mess-Empfindlichkeit) wahrgenommen. In diesem hochempfindlichen Organ wird die Bewegungs-Energie (Schall-Schwingung) in elektrische Impulse umgewandelt, die von der Schnecke ausgehend über den Hörnerv zu verschiedenen Bereichen des Gehirns geleitet werden.

Das Gehirn verarbeitet die elektrischen Nerven-Signale zu „Hörempfindungen“ und lernt von Geburt an, diese Signale zu „erkennen" und zu „verstehen“, das heißt, den wahrgenommenen Schall als Musik, Sprache oder Geräusch zu interpretieren. Wenn die Lautstärke höher als 0 Dezibel ist, wird an der Hörschwelle gerade gehört. Oberhalb von 120 Dezibel wird Schall als unangenehm oder schmerzhaft empfunden. Die Hörfähigkeit des gesunden Gehörs ist für tiefe, mittlere und hohe Töne unterschiedlich. Am besten hören wir im Bereich zwischen 1000 und 4000 Hertz (Maß für Tonhöhe). Das ist der Bereich, in dem wir Sprache erzeugen.

Hören und Sprechen haben sich während der Evolution gemeinsam entwickelt.

Im Fall einer Hörminderung der Schallleitung wird der Schall in allen Tonhöhen schwächer, das heißt, mit weniger Energie, bis ins Innenohr, die Cochlea, geleitet. Entsprechend kann dort weniger Schallenergie in Nerven-Impulse umgewandelt werden. Der Betroffene hört infolge dessen alles zu leise. Durch eine Operation lässt sich die Hörleistung jedoch wieder steigern. Wenn eine Operation nicht möglich ist, kann durch einfache Hörverstärker (Hörgeräte) die notwendige Lautstärke und damit die natürliche Hörfähigkeit erreicht werden.

Schwerhörigkeit aufgrund einer Hörminderung der Schall-Empfindlichkeit

Einer Hörminderung der Schall-Empfindung liegt meistens eine geschädigte Cochlea zu Grunde. Der Schall wird zwar ohne Verluste bis ins Innenohr geleitet, dort jedoch nicht adäquat in Nerven-Impulse umgewandelt. Eine weitere Ursache kann eine Störung der Hörnerven sein, die zwischen Cochlea und Gehirn verlaufen. Eine Schallempfindungs-Hörminderung hat in den meisten Fällen zur Konsequenz, dass im Bereich der tiefen Töne noch gehört wird, im Bereich der hohen Töne jedoch stärkere Lautstärken notwendig sind. Gleichzeitig zeigen betroffene Personen eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber lauten Schallereignissen. Schallereignisse werden hier, verglichen mit einem gesunden Gehör, bereits auf niedrigerem Niveau als laut empfunden. Von den Betroffenen selbst wird der Hörschaden selten wahrgenommen. Defizite zeigen sich zunächst nur in der Unterhaltung mit vielen Personen oder im Störlärm. Und es ist zumeist das soziale Umfeld, das dieses Defizit zuerst erkennt: Der Betroffene hört schlecht.

Umweltbedingte Faktoren für eine Hörminderung der Schall-Empfindlichkeit

Das Gehör ist fortwährend dem Schall seiner Umwelt ausgesetzt. Wo Lautstärke und Lärm herrschen, wird das Gehör in vielen Fällen im Verlauf des Lebens geschädigt. Das zeigt die hohe Anzahl an schwerhörigen Menschen in den Industriestaaten. Nur wenige Menschen wissen, dass selbst ein einmaliger Impuls-Schall, beispielsweise herbeigeführt durch Platzpatronen in Kinderpistolen, Silvesterknaller oder Gewehrschüsse, lebenslange Hörschäden auslösen kann. Ebenso schädlich sind Lärmbelastungen im Straßenverkehr (LKW), in der Arbeitswelt (Fabriken) oder im Freizeitbereich (Disco). Eine Hörminderung nach einer Infektionskrankheit oder durch Medikamente ist seltener. Um Schäden des Gehörs vorzubeugen, gelten in der Berufswelt gesetzliche Auflagen, die Gesundheit am Arbeitsplatz gewährleisten sollen. Liegt bei mehr als drei Stunden am Tag eine Lärmbelastung von mehr als 80 Dezibel Lautstärke vor, ist ein Gehörschutz zu tragen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass eine durch Lärm ausgelöste Schwerhörigkeit eine Berufskrankheit darstellt.

 
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Besser hören steigert die Lebensqualität

Wie sehr eine Hörminderung das Alltagsleben erschwert und wie auch schwierige Hörsituationen wieder gemeistert werden können, zeigt unser Kurzfilm.

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