Ein Nachlassen der Hörfähigkeit kann jeden Menschen treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht, beruflicher Tätigkeit und sozialem Umfeld. Obwohl das Thema Schwerhörigkeit große Teile der Bevölkerung betrifft, findet es dennoch selten Eintritt in die öffentliche Diskussion.
Dabei sprechen die Zahlen für sich:
- Weltweit leiden ca. 500 Millionen Menschen unter einem schlechten Gehör
- In Europa sind ca. 70 Millionen Menschen betroffen
- In Deutschland leben 16 Millionen Menschen – das sind 20% der Bevölkerung - mit einer Hörminderung
- Davon haben 6 Millionen Menschen eine Schallleitungs-Schwerhörigkeit, die durch medizinische Maßnahmen ausgeglichen werden kann
- Für 10 Millionen Menschen wirkt ihre Schallempfindungs-Schwerhörigkeit lebenslang als Belastung im privaten Leben und im Berufsalltag.
- Lediglich 3 Millionen von diesen 10 Millionen Menschen verwenden einfache Hörgeräte oder moderne Hörsysteme mit Sprachprozessoren
- Die übrigen 7 Millionen Menschen wissen noch nicht, welche Verbesserung der Lebensqualität sie durch ein Hörsystem erlangen können
Viele dieser Menschen lassen sich erst von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) oder einem Hörgeräteakustiker beraten, wenn die Schwierigkeiten beim Hören im Laufe der Zeit immer weiter zunehmen und das Nachlassen der Hörfähigkeit bereits zum ernsthaften Problem im Alltag geworden ist. Im Jahr 2003 lag der Zeitraum, der zwischen dem Auftreten erster Probleme beim Hören und dem Aufsuchen eines Facharztes oder eines Hörgeräteakustikers lag, durchschnittlich bei 10 Jahren.
Nach dieser langen Zeit, in der die Erkrankung immer weiter fortgeschritten ist, kann die bestmögliche Hörverbesserung jedoch nicht mehr in jedem Fall erreicht werden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass der Erfolg von Hörsystemen umso größer ist, je früher und je regelmäßiger sie verwendet werden. Durch die Hörminderung verarbeitet und interpretiert das Gehirn die Sprache anders als bei einem gesunden Gehör. Das Gehirn verlernt die Verarbeitung der Sprachanteile, die aufgrund der Hörminderung in der langen Zeit bis zur Behandlung nicht mehr gehört werden. Das Gehirn muss die Verarbeitung dieser Sprachanteile erst wieder neu erlernen – durch das Hören mit einem Hörsystem.
Schwerhörigkeit und ihre Ursachen
Eine Schwerhörigkeit kann unterschiedliche Ursachen haben. Diese werden im Folgenden kurz aufgeführt:
Mittelohrschwerhörigkeit oder Schallleitungsschwerhörigkeit
Im Fall dieser Form von Schwerhörigkeit wird der Weitertransport des Schalls erschwert oder verhindert. Die Probleme sind in vielen Fällen vorübergehend oder lassen sich durch die Behandlung eines HNO-Facharztes beheben.
Innenohrschwerhörigkeit
Diese Schwerhörigkeit kann gleichermaßen junge wie alte Menschen treffen. Sie kommt jedoch am häufigsten bei älteren Menschen vor und wird daher fälschlicherweise auch als Altersschwerhörigkeit bezeichnet. In den meisten Fällen sind es die feinen Haarzellen in der Hörschnecke, die in ihrer Funktion eingeschränkt sind oder nicht mehr arbeiten. Individuell angepasste Hörtechniken stellen optimale Möglichkeiten zur Kompensation der Hörschwierigkeiten dar.
Schwerhörigkeit von Geburt an
Diese Schwerhörigkeit betrifft ein bis zwei von Tausend Neugeborenen. Ursachen können spezielle genetische Veränderungen, Risiko-Schwangerschaften und Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft sein. Infektionskrankheiten bedrohen auch nach der Geburt die Hörfähigkeit. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist es entscheidend, dass eine Hörminderung möglichst früh erkannt wird. Nur so kann die Hörminderung von Anfang an durch ein Hörsystem kompensiert und eine bestmögliche Sprach-Entwicklung ermöglicht werden.
Â














