Tinnitus – Ursachen und Behandlung

Plötzlich ein unangenehmes Geräusch im Ohr: der Tinnitus. Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen. 

Was ist ein Tinnitus?

Ein Tinnitus ist ein akustischer Sinneseindruck, der zusätzlich zu den Geräuschen der Umwelt auf den Betroffenen einwirkt. Von Außenstehenden kann er meist nicht festgestellt werden. Es ist keine selbstständige Krankheit, sondern eher ein Symptom, das aufgrund verschiedener anderer Ursachen im Körper entstehen kann. Tinnitus verursacht keine körperlichen Schmerzen und ist an sich nicht gefährlich. Der Leidensdruck ist bei vielen Betroffenen allerdings häufig sehr groß und wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass der Tinnitus von Außenstehenden nicht bemerkt wird und das Verständnis dafür fehlt.


Welche Formen gibt es?

Die Formen des Tinnitus können in verschiedenen Dimensionen unterschieden werden.

1. Zeitliche Unterteilung:

  • Bis zu 3 Monaten: akuter Tinnitus
  • 3 bis 6 Monate: subakuter Tinnitus
  • Ab 6 Monate: chronischer Tinnitus

2. Subjektiver / objektiver Tinnitus:

  • Subjektiv: von außen nicht messbar, genaue Ursache ist schwer zu bestimmen
  • Objektiv: Resultat einer körpereigenen Schallquelle in der Nähe des Innenohrs, mit speziellen Geräten von einem HNO-Arzt messbar

3. Höreindrücke / Intensitäten

  • Tinnitus kann als Brummen, Pfeifen, Zischen, Knacken oder Klopfen wahrgenommen werden.
  • Die Intensitäten reichen von hoch, tief oder gleichmäßig bis hin zu rhythmisch-pulsierend.

4. Auswirkungen auf die Lebensqualität

  • Kompensierter Tinnitus: vom Betroffenen kaum merkbar und noch erträglich
  • Dekompensierter Tinnitus: hoher Leidensdruck und Einschränkung weiterer Lebensbereiche

Wodurch entsteht ein Tinnitus?

Die Ursachen von Tinnitus sind vielfältig, weil er häufig eine Begleiterscheinung vieler unterschiedlicher Krankheiten sein kann. Auf Basis der verschiedenen Formen können aber in manchen Fällen mögliche Ursachen ausgemacht werden.

Der objektive Tinnitus entsteht durch eine Schallquelle, die in der Nähe des Innenohrs liegt. Wenn zum Beispiel Gefäßverengungen in der Nähe des Innenohrs entstehen, dann beschreiben Betroffene häufig ein puls-synchrones Geräusch. Bei Muskelverkrampfungen werden eher klickende Geräusche wahrgenommen. Ist der Verschluss der Ohrtrompete, dem Verbindungsröhrchen zwischen Hals-Rachen-Raum und Ohr, defekt, dann ist der Tinnitus atemabhängig. Bei Kiefergelenkproblemen können Knochen und Knorpel in diesem Bereich aufeinander stoßen und erzeugen dann knirschende oder mahlende Geräusche.

Da der subjektive Tinnitus von außen nicht messbar ist, kann auch die genaue Ursache meist nur schwer bestimmt werden. Der Grund kann sowohl in verschiedenen Bereichen des Ohrs als auch in den Nerven oder sogar dem Gehirn liegen. So kann ein Tinnitus entstehen, wenn der Gehörgang verstopft ist. Im Mittelohr könnte der Auslöser in einem defekten Trommelfell oder auch einer Mittelohrentzündung liegen. Im Innenohr kann ein Tinnitus durch ein Knalltrauma, einen Hörsturz oder durch Altersschwerhörigkeit entstehen. Wissenschaftler vermuten, dass nach Schädigungen im Innenohr bestimmte Töne nicht mehr an das Gehirn gesendet werden und das Gehirn versucht diese nicht vorhandenen Töne zu kompensieren, indem es selbst welche erstellt. Häufig hört der Betroffene dann einen Ton, für den er eigentlich eine Schwerhörigkeit entwickelt hat. Bei einigen Patienten wurde festgestellt, dass der Tinnitus auch auf Fehlfunktionen im Gehirn zurückzuführen ist. Nachdem man den Hörnerv durchtrennt hatte, war der Tinnitus dennoch nicht verschwunden. Mögliche Ursachen für diese Fehlfunktion können eine Hirnhautentzündung oder ein Tumor im Hörzentrum des Gehirns sein. Neben körperlichen kann der Tinnitus auch seelische Ursachen haben. So kann Stress – ob im Beruf oder in Beziehungen – auch Auswirkungen auf das sensible Hörorgan haben und den Tinnitus auslösen oder verstärken.


Kündigt sich ein Tinnitus an?

Der Tinnitus kündigt sich nicht an, ist aber häufig ein Vorzeichen für andere Krankheiten, die schnell behandelt werden sollten. Er ist nicht selten auch ein Warnsignal des Körpers, wenn Stress oder Belastungen zu groß werden.


Was kann der Betroffene tun?

In vielen Fällen verschwindet der Tinnitus innerhalb von 24 bis 48 Stunden wieder von alleine. Sollte er nach 48 Stunden noch vorhanden sein, dann sollte man zeitnah einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Je eher mit der Behandlung begonnen wird, umso besser sind die Prognosen zur Besserung oder Heilung. Man sollte auf keinen Fall Wochen oder Monate warten, in der Hoffnung, dass das nervige Geräusch von alleine weg geht. Das könnte zudem gefährlich sein, da häufig andere Krankheiten hinter dem Tinnitus stecken, die schnellstmöglich zu behandeln sind.


Was passiert beim Arzt?

schritt-2-diagnoseÜber die genauen Untersuchungen muss der HNO-Arzt vor Ort entscheiden. Meistens wird mit einer kurzen Befragung begonnen. Am besten machen Sie sich bereits vorher Gedanken: Gibt es Vorerkrankungen? Wurden irgendwelche Medikamente eingenommen? Wann ist der Tinnitus das erste Mal aufgetaucht? Kam der Tinnitus plötzlich oder ist er schleichend erschienen? Wie hört sich der Tinnitus an? Gab es einen Auslöser für den Tinnitus wie Lärm oder Stress? Danach beginnt der Arzt mit der Untersuchung des Ohres. Er schaut sich an, ob sich die Ursache im Gehörgang oder am Trommelfell finden lässt. Im Anschluss daran wird ein Hörtest gemacht und das Gleichgewicht getestet, um einen Hinweis darauf zu finden, ob der Auslöser des Tinnitus im Innenohr sitzt.

Außerdem werden noch weitere Untersuchungen vorgenommen, um festzustellen, ob Entzündungen vorliegen. Häufig wird ein Tinnitus-Matching durchgeführt, um Lautstärke und Frequenz zu bestimmen. Mit Hilfe eines Tinnitus-Masking wird zudem herausgefunden, ob es bestimmte Frequenzen gibt, die den Ton verdecken können. Neben den Untersuchungen am Ohr können noch Untersuchungen der Blutgefäße, Nerven und des Gehirns vorgenommen werden.


Wie kann behandelt werden?

entspannenHäufig werden Infusionen mit Zuckerlösungen oder eine Kombination aus entzündungshemmenden Wirkstoffen und Kochsalzlösung gegeben. In einigen Fällen ist auch eine Psychotherapie empfehlenswert, wenn Stress als Auslöser diagnostiziert wird. Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga und weitere Entspannungstechniken sollen zusätzlich dazu beitragen, dass mit Stress besser umgegangen oder er sogar vermieden werden kann. In einigen Fällen wird auch eine Sauerstofftherapie angewendet, wenn davon ausgegangen wird, dass der Tinnitus aufgrund von Sauerstoffmangel und Durchblutungsstörungen hervorgerufen wurde. Liegt der Grund des Tinnitus in Verspannungen oder Veränderungen der Kiefergelenke, könnten auch Zahnarzt oder Kieferorthopäde bei der Therapie hinzugezogen werden. Falls der Tinnitus mit Verspannungen oder Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule in Zusammenhang steht, dann helfen bereits manualmedizinische Behandlungen.


Kann man einem Tinnitus vorbeugen?

Mit dem Wissen, dass zu großer Stress eine Ursache von einem Tinnitus sein kann, sollte dieser im besten Fall vermieden werden. Objektivem Tinnitus kann vorgebeugt werden, in dem man allgemein Maßnahmen gegen Veränderungen der Gefäße ergreift. Das heißt, es sollte ein gesunder Lebensstil geführt werden. Denn Nikotin, hohe Cholesterinwerte oder Flüssigkeitsmangel können die Blutgefäße angreifen oder verstopfen. Insbesondere sollte zudem Lärm vermieden werden, da dadurch Innenohr verletzt werden kann. Ist der Lärm nicht zu vermeiden, zum Beispiel aus beruflichen Gründen, sollte man einen angemessenen Gehörschutz verwenden. Aber Achtung: Auch bei kurzzeitiger Lärmbelästigung können Schäden im Innenohr entstehen, die schleichend zu einem Tinnitus führen. Um sich davor zu schützen, sollte man auch bei jedem Besuch eines Konzertes oder einer Disco den passenden Ohrstöpsel tragen.


Was kann man bei einem chronischen Tinnitus tun?

Neben einigen Maßnahmen, die darauf zielen den Tinnitus zu beseitigen, gibt es heutzutage auch Maßnahmen, die zur Linderung der Beschwerden beitragen. Da insbesondere beim subjektiven Tinnitus der Ursprung häufig nicht deutlich ist, können dort die Störungen meist nur gemildert werden. In jedem Fall sollte Stress vermieden werden, da dieser den vorhandenen Tinnitus noch verstärken kann.

Mittlerweile gibt es Hörgeräte, die den Tinnitus-Ton verdecken oder auch die Wahrnehmung des störenden Geräusches abmildern können. Hörgeräte kosten heutzutage nicht mehr so viel, wie man im Allgemeinen glaubt. Informieren Sie sich bei Ihrem Hörgeräteakustiker vor Ort.

Bei einigen Betroffenen empfiehlt sich die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT), deren Ziel nicht die Bekämpfung, sondern das Eindämmen der unangenehmen Wahrnehmung des Tinnitus ist. Diese Therapie ist längerfristig und kann ein Jahr oder länger dauern bis der gewünschte Erfolg eintritt.